Welche Rolle spielen Herz-Kreislauferkrankungen für die Mundgesundheit – und wie es ist es andersherum: Können beispielsweise infektionsbedingte Entzündungen im Mund die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems beeinflussen? Um dies abzuklären, trafen sich kürzlich die Bundeszahnärztekammer und der Bundesverband der niedergelassenen Kardiologen zu einem Austausch hinsichtlich Wissenschaft und Praxis bei dieser Thematik. Deutlich wurde, was auch bereits frühere Erkenntnisse untermauerte: Eine Parodontitis (Zahnbettentzündung) ist ein Risiko für kardiologische Erkrankungen. Ist sie deutlich ausgeprägt, reicht schon das Kauen oder Zähneputzen, um Keime aus dem Mundgewebe in die Blutbahn zu drücken, und hier gelangen sie dann auch in Herz und Gefäße. Insbesondere bei entsprechend veranlagten Menschen kann sich eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) entwickeln, so die Bundeszahnärztekammer. Riskant ist das Eindringen der Mundkeime in die Gefäße auch für diese selbst: Die Gefäßwände können sich beim Kontakt mit Entzündungszellen verdicken, was den Blutdurchfluss verengt und durch Thromboembolien zu Herz- oder Hirninfakt (Schlaganfall) führen kann. Einen Zusammenhang gibt es auch bei blutdrucksenkenden Medikamenten: Die Blutungsneigung auch im Mund steigt, die Speichelproduktion geht zurück, und es kann zu Gewebe-Wucherungen kommen. Mund und Herz haben zudem gemeinsame Risikofaktoren, dazu gehören sowohl erworbene wie Rauchen und ungünstige Ernährung, aber auch genetische Veranlagungen. Menschen mit Parodontitis sollten diese der kardiologischen Praxis insofern ebenso mitteilen wie Menschen mit kardiologischen Erkrankungen die entsprechenden Diagnosen ihrem Zahnarztteam.

- 6. Juni 2023