Alter: Was passiert mit den Zähnen?

Neue Untersuchungsverfahren können Antworten auf Fragen liefern, die sich – nicht nur die Zahnärzte – schon lange stellen: Was passiert eigentlich mit den Zähnen, wenn wir alt werden? Was verändert sich im Zahnschmelz? Und können wir etwas tun, damit die Zähne besser vor Zerstörung geschützt sind? Eine Wissenschaftlergruppe in Washington hat sich dem Thema zugewandt und die diagnostischen Möglichkeiten der Atomsonden-Tomografie genutzt. Es zeigte sich, dass bei älterem Zahnschmelz die Anordnung der Schmelz-Kristalle und die Zusammensetzung der Minerale kompakter ist als bei den Jüngeren, aber auch, dass gleichzeitig der Schmelz spröder wird. Das wiederum ist auf Verschiebungen in den Schmelzkristallen zurückzuführen, die sich über die Jahre aufgrund von Demineralisation und Remineralisation gebildet haben – als Folge von Ernährung und Fluorid-Zufuhr. Der ältere Zahnschmelz ist zwar resistenter gegen Säure-Schäden, aber auch anfälliger für Risse. Die noch laufende Studie, die auf ihren Erkenntnissen auch Empfehlungen für die Prävention von Zahnschäden und für die passgenaue Mundhygiene entwickeln will, stellt zum gegenwärtigen Zeitpunkt unter anderem fest, dass die Fluoridaufnahme zum Schutz vor Säureschäden nachweislich funktioniert: Die Fluorideinlagerungen aus früheren Jahren sind im älteren Zahnschmelz klar erkennbar.

Delfine: Zähne als Hörgerät

Was den Katzen ihre Schnurrhaare, sind den Delfinen ihre Zähne: Viele Tiere nutzen Ortungssysteme, um sich in dem Revier, wo sie unterwegs sind, zurechtzufinden. Wie jetzt Wissenschaftler einer japanischen Universität berichteten, nutzen Delfine für die Orientierung offenbar ihr Zähne. Diese scheinen Schallwellen zu empfangen und damit dem Tier Echos zu liefern zu seinem Umfeld. Grundsätzlich hatte man so etwas schon vermutet, nun aber konnte das Wissenschaftlerteam zeigen, dass die Delfin-Zähne aufgrund des überwiegend schwammartigen Kieferknochens beweglich im dortigen Zahnbett stehen und sich, was durchaus erstaunlich ist, zum Echo hin ausrichten können. Zudem sind sie mit einem ganzen Nervenbündel mit dem Wahrnehmungssystem verbunden und können somit auch feinste Echos weitermelden. Dass Delfine besonders gut hören können, hatte bereits zuvor auch das Militär erlebt: Auch sehr leise Sonargeräte hatten die Delfine bemerkt, ihr „Gehör“ war deutlich sensibler als erwartet. Der Einsatz von Sonargeräten in Küstenregionen kann für die Delfine schädigend bis lebensgefährlich sein. Die Gruppe der Delfine ist sehr artenreich, manche der über 40 Unterarten verfügt über bis zu 240 Zähne.

Pflegebedürftige: gut zahnärztlich versorgt?

Lange Jahre war die Zahnärzteschaft unzufrieden mit der zahnmedizinischen Versorgung von pflegebedürftigen Menschen mit Behinderungen. Wie so oft, stand die Bürokratie und Gesetzeslage einem vereinfachten Verfahren im Weg, sich zahnärztlich um die besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe zu kümmern. Nun zeigen sich motivierende Entwicklungen, wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) mitteilte. Schon im Jahr 2018 hatte sie durchsetzen können, dass die Krankenkassen spezielle Leistungen für Pflegebedürftige übernehmen müssen. Insbesondere Vorsorgeleistungen spielen dabei eine große Rolle, aber auch die Einbindung von Pflegepersonen und Angehörigen in die Ausübung der Mundpflege. Nun hat die KZBV die aktuelle Situation erfasst und festgestellt, dass die Inanspruchnahme dieses Angebotes deutlich steigt. Eine gute Mundhygiene sei gerade für diese Menschen, die sich oft nicht selbst helfen können, enorm wichtig, weil das Risiko für Karies oder Mundschleimhauterkrankungen sowie Parodontitis entsprechend erheblich erhöht ist. Mit über 1 Million aufsuchender zahnärztlicher Kontroll- und Behandlungsterminen bei Pflegebedürftigen lag die Zahl in 2024 um 10 % über der des Vorjahres und erheblich über denen der zurückliegenden Jahre. Die KZBV will, so die Erklärung, diese besonders vulnerable Patientengruppe weiter im Blick behalten und die Einsatzmöglichkeiten über die Pflegeeinrichtungen hinaus auch auf Behinderteneinrichtungen ausweiten – und hofft, den Gesetzgeber dafür zu gewinnen.

Wurzelkanalbehandlung: Einfluss auf Herzgesundheit

Dass es enge Verbindungen gibt zwischen Entzündungen in Mund und Herzinfektionen, ist inzwischen bekannt und führt auch immer wieder zu gemeinsamen Empfehlungen der Kardiologischen und der Zahnmedizinischen Wissenschaft. Im Blickpunkt dabei stand bisher auf Seiten der Zahnärzte die Parodontitis, die Zahnbett-Entzündung. Mittlerweile rückt ein weiteres zahnmedizinisches Thema in den Fokus: Zahnwurzelentzündungen. In diesem Fall befindet sich der Entzündungsbereich nicht im Übergangsbereich von Zahn und Zahnfleisch, sondern tief im Kieferknochen an der Zahnwurzel. Eine Entzündung im Zahnwurzelbereich führt, ebenso wie bei einer Parodontitis, zu einer erheblichen Konzentration von Entzündungsmarkern im Blut. Das kann zu Gefäßverengungen führen, die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen. Daher haben jetzt die Dachgesellschaft der deutschen zahnmedizinischen Wissenschaft (DGZMK) und die Fachgesellschaft für Endodontie DGET (Endodontie = Behandlung des Zahninneren und der Wurzel) eine Empfehlung herausgegeben, die über die Relevanz einer Zahnwurzelbehandlung als Risikominimierung für gefährliche Herzerkrankungen aufklärt. Studien zufolge führt eine erfolgreiche (die Entzündung beseitigende) Wurzelbehandlung zu einem Absinken des Risikos für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung um bis zu 84 % im Vergleich zur Nichtbehandlung einer Zahnwurzelentzündung.

Vegetarier: Ernährung unserer Vorfahren

Üblicherweise geistert durch die Vorstellungen von der Geschichte der Menschheit das Bild vom Jäger und Sammler, der zur Freude seines Stammes einen erlegten Büffel heimbringt. Das Bild muss teilweise korrigiert werden, ergab nun eine Mainzer Forschungsarbeit in Zusammenarbeit mit südafrikanischen Kollegen. Eine Untersuchung fossiler Zähne per Isotopenmessung hat gezeigt, dass Vormenschen vor rund dreieinhalb Millionen Jahren im Süden Afrikas (gemeint ist hier der sogenannte Australopithecus) gar kein oder nur sehr wenig Fleisch im Ernährungsalltag hatten. Man ernährte sich also vegetarisch. Bisher ist nicht bekannt, ab wann Fleisch eine größere Rolle in der Ernährung eingenommen hat – und ab wann sich somit als Folge einer proteinreicheren Ernährung ein größeres Gehirnvolumen und mehr technische Fähigkeiten entwickelten. Wer dennoch an seinem Bild vom Jäger mit Büffel festhalten möchte, kann dies gern tun: Eine andere Gruppe aus dem Kreis der Vormenschen tat dies tatsächlich: die Neandertaler. Nur lebten sie viel später, vor rund 400.000 Jahren im nordöstlichen Teil der Weltkugel, und vor rund 40.000 Jahren starben sie aus. Vegetarisches Leben ist also keine Erfindung der Neuzeit, sondern genaugenommen die Ernährung unserer ältesten Vorfahren.

Aufgepolsterte Lippen: riskant

Der Modetrend „aufgepolsterte Lippen“ hat seine gesundheitlichen Schattenseiten, darauf weisen Verbraucherschützer hin. Insbesondere sogenannte Lip-Plumper, die ohne Unterspritzung für einen Schmollmund sorgen sollen, könnten Inhaltsstoffe enthalten, die das Erbgut schädigen und das Krebsrisiko erhöhen. Die österreichische „Konsumenteninformation“ warnt vor verschiedenen Inhaltsstoffen wie Titandioxid, Polybutene, Paraffin, Cera Microcristallina und weiteren riskanten Stoffen und rät grundsätzlich von Lip-Plumpern auf Mineralölbasis ab. Die aufplusternde Wirkung bei diesen aufgetragenen Produkten basiert auf der gesteigerten Durchblutung, die von reizauslösenden Wirkstoffen wie Menthol, Chile, Ingwer und ähnlichen ausgeht. Damit untermauert die österreichische Verbraucherschutzorganisation nun kritische Warnungen von Stiftung Warentest vom Oktober 2024. Bei diesem Test fielen 8 Produkte sofort durch aufgrund ihres Gehaltes an Titandioxid. Nur 2 Produkte erhielten, aufgrund unbedenklicher Zusammensetzung, das Go seitens des Test-Teams. Wer voller wirkende Lippen wolle, könne auch zu Lipgloss greifen, so der Fachverband der Kosmetikindustrie, und sich gesundheitliche Risiken ersparen.

Fluoride: Diskussion aus den USA

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) stellt fest, dass „die in den USA entbrannte Debatte um die Trinkwasserfluoridierung den Weg nach Deutschland findet – obwohl Trinkwasser hierzulande gar nicht fluoridiert wird.“ Sie warnt vor falschen Schlüssen. In den vergangenen Jahren habe es Studien gegeben, die nachzuweisen versucht hätten, dass Trinkwasserfluoridierung nachteilige Folgen für die gesundheitliche Entwicklung bei Kindern habe – wissenschaftlich bestätigt sei dies in keinem Fall, zudem durch Medienberichte in der Dateninterpretation auch verzerrt worden. Beispielsweise stammten rund dreiviertel aller herangezogenen Studien aus China, aus Gebieten mit sehr hoher natürlicher Fluoridkonzentration im Trinkwasser, zudem wurden auch Elemente wie Arsen dort gefunden. Die in China gefundenen Fluoridkonzentrationen seien in Deutschland unrealistisch und weder durch Tablettenaufnahme noch lokales Auftragen zu erreichen. In Deutschland gibt es einen Grenzwert laut Trinkwasserverordnung von 1,5 mg Fluorid pro Liter, fast überall in Deutschland läge der tatsächliche Anteil bei 0,3 %. Studien aus Ländern, die mit der deutschen Trinkwasser-Situation vergleichbar seien, hätten keinerlei Zusammenhänge von Fluoridgehalt im Trinkwasser und Entwicklungsstörungen bei Kindern gezeigt. Die Fluoridierung bleibt ein wichtiges, anerkanntes und bestätigtes Verfahren zum Schutz der Zähne vor säurebedingter Zerstörung.

Amalgamverbot: Infos für Patienten

Seit Beginn des Jahres ist aufgrund eines EU-Beschlusses Amalgam als Zahnfüllungsmaterial verboten – und zwar aus umweltpolitischen, nicht aus gesundheitlichen Gründen. Das Verbot hat in den Praxen zu vielen Diskussionen geführt, zumal es Ausnahmen vom Verbot geben kann, deshalb haben die zuständigen wissenschaftlichen zahnmedizinischen Fachgesellschaften nun eine ausführliche Antwort-Liste auf die meisten Fragen von Patienten zusammengestellt. Beispielsweise unter DGZ-online.de (DGZ bedeutet Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung) finden sich Hinweise zur vermuteten Gesundheitsgefahr bestehender Amalgamfüllungen: „Intakte Amalgamfüllungen stellen für die Allgemeinbevölkerung kein Gesundheitsrisiko dar und sollten nicht prophylaktisch entfernt werden…“ In der Patienteninformation geht es zudem um die heute marktüblichen alternativen Zahnfüllungsmaterialien und -verfahren, die mit ihren spezifischen Eigenschaften vorgestellt werden – verbunden mit dem Hinweis, dass eben diese Eigenschaften auch unterschiedliche Einsatzbereiche mit sich bringen. Dazu kommen Informationen, welche Zahnfüllungen von der Krankenkasse voll bezahlt werden und welche andere Zuzahlungen erfordern. Warum das so ist, wird ebenfalls erklärt: Die Verarbeitung zahnfarbener Kompositmaterialien ist „deutlich aufwändiger und technikintensiver, so dass sie nicht komplett von den Krankenkassen übernommen werden.“

Schlaganfall: Zahnseide reduziert Risiko

Ein Schlaganfall wird, vereinfacht gesagt, durch Blutgerinnsel ausgelöst, die Gefäße im Gehirn verstopfen. Insofern ist es richtig gedacht, die Entstehung von Blutgerinnseln möglichst zu unterbinden. Ein Ort im Körper, wo sich der Ausgangspunkt für solche Blutklümpchen bilden kann, ist der Mund. Dass es enge Verbindungen von Mundgesundheit, Mundhygiene und Allgemeingesundheit gibt, ist inzwischen weit verbreitetes Wissen – insofern ist auch der Zusammenhang mit Schlaganfall-Risiken nicht überraschend. Spannend ist es dennoch, genauer hinzuschauen, warum das so ist und was hier eine wichtige Rolle spielt. Daher hat sich eine Wissenschaftlergruppe speziell der Rolle der Zahnseide bei der Mundhygiene angenommen – und das klare Ergebnis hat sie überrascht. Demnach führt die regelmäßige und sachgerechte Anwendung von Zahnseide bei der täglichen Mundpflege zu deutlich besserer Mundgesundheit und mindert erheblich das Risiko für Zahnbettinfektionen. Das wiederum vermindert die Gefahr, dass Keim-belastetes Blut aus dem Mundbereich durch den Körper fließt. Die Folge dieses Plus an Mundsauberkeit: Um rund 22 % sank das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall (absterbendes Hirngewebe aufgrund Gefäß-Verstopfung). Zudem, und damit hatte das Wissenschaftlerteam nicht gerechnet, sank das Risiko für einen kardioembolischen Schlaganfall sogar um 44 % – also für einen Schlaganfall, der aus dem Herzen kommt: Anlass sind in der Regel Herzrhythmusstörungen. Das Risiko für Vorhofflimmern sank um 12 %. Die bisherigen Ergebnisse (die Studie läuft noch) machen deutlich, welch großen Einfluss Mundhygiene und hier besonders der Reinigungsfaktor der Zahnseide auf die Allgemeingesundheit und das Leben hat.

Schmerzempfindlichkeit: demnächst messbar

Aus verschiedenen Gründen sind verschiedene Menschen verschieden schmerzempfindlich: Was jeder aus seinem persönlichen Umfeld kennt, spielt in der Zahnarztpraxis eine besondere Rolle. Ziel des Behandlungsteams ist es ja, die anstehenden Maßnahmen so schmerzarm wie möglich zu machen – und hier ist es gut, vorher zu wissen, ob der Patient ganz besonders schmerzsensibel ist oder eher nicht. Wenn die Forschungsergebnisse eines internationalen Wissenschaftlerteams Praxisreife erlangt haben, wird das vor der Schmerzbehandlung messbar sein: Sie haben zwei Biomarker entdeckt, die entsprechend Auskunft über die Empfindlichkeit geben. Studienobjekt war die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk. Teilgenommen haben rund 150 Australier im Alter zwischen 18 und 44 Jahren. Im Ergebnis zeigte sich, dass es insbesondere bei langanhaltenden Schmerzen Signale des Körpers gibt, die unterschiedlich ausfallen, was das Schmerzempfinden betrifft. Auch deutet sich an, bei welchen Personen ein Schmerz zum Chronifizieren neigt. Für die Zahnbehandlung kann das in Zukunft bedeuten, dass Patienten und Praxisteams die Schmerz-Reaktion besser einschätzen und entsprechend vorgehen können.